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„So, und jetzt kommst du“ von Arno Frank

Dinge, die mich richtig nerven sind solche, die ich nicht beeinflussen kann. Schlechtes Wetter gehört dazu, oder auch Flug- oder Zugverspätungen. Letzte Woche kamen all diese Dinge zusammen. Aber man soll ja immer das Gute im Schlechten sehen und daher sehe ich es jetzt so: Hätte ich nicht wahnsinnig viel Zeit am Flughafen bzw. im Zug verbracht, hätte ich nicht so viel Zeit zum Lesen gehabt und hätte „So, und jetzt kommst du“ nicht so verschlingen können.

„So, und jetzt kommst du“ ist der autobiographische Debütroman des Journalisten Arno Frank. Der nächste Bücher schreibende Journalist, könnte man jetzt denken. Lieber sollte man dem Mann jedoch dankbar sein für dieses großartige Buch.

Worum es geht

Eine ganz normale Familie in der westdeutschen Provinz der 1980er Jahre – denkt man auf den ersten Seiten. Schnell zeigt sich aber: normal ist hier fast nichts. Der Vater ist Autoverkäufer und hoch verschuldet. Die Familie scheint trotzdem glücklich, auch noch als sie umziehen muss, weil die Bank ihr das Haus wegnimmt. Man zieht um, muss sich verkleinern, aber die Eltern sind optimistisch, nur der Sohn (der die Geschichte erzählt) macht sich zwischendurch Sorgen. Der Vater weiß diese aber wegzuschieben und der Sohn macht das, was wohl jedes Kind macht: er vertraut seinem Vater. Und der scheint Recht zu haben, plötzlich ist viel Geld da und das Leben wird besser. Die Familie zieht nach Südfrankreich und die drei Kinder verleben paradiesische Zeiten, in denen es ihnen an nichts fehlen soll. Doch irgendwann ist das Geld leer und die Reise geht weiter. Und bald wird klar, dass die Reise längst keine Reise, sondern vielmehr eine nicht enden wollende Flucht ist.

Was mir gefallen hat

Kurz gesagt: alles! Schon nach den ersten Seiten hat mich die Geschichte total gepackt, was vor allem an dem lebendigen Schreibstil von Arno Frank liegt. Nicht nur, dass während des Lesens in meinem Kopf quasi der Film zum Buch abgelaufen ist (dieses Buch muss verfilmt werden!), die Geschichte nimmt einen auch sehr mit. Frank gelingt es unglaublich gut, die Lockerheit und (gespielte) Zuversicht des Vaters so rüber zu bringen, das man als Leser selbst daran glauben will, das am Ende alles gut wird. Berührt haben mich aber am meisten die Ängste der Kinder, die Frank sehr mittelbar und ohne irgendwelchen Kitsch beschreibt. Irgendwann habe ich nur noch gehofft, dass die Familie endlich gefasst wird, gleichzeitig habe ich die Daumen gedrückt, dass genau das nie passiert. Am Ende sind es vor allem die Kleinigkeiten, die Beschreibungen und Details, die ganz beiläufig erzählt werden und die dieses Buch so besonders machen. Der Klos in meinem Hals wollte beim Lesen einfach nicht mehr weggehen und trotzdem hat das Buch auch eine gewisse Komik. Lest dieses Buch unbedingt, es ist wirklich was Besonderes!

„So, und jetzt kommst du“ von Arno Frank ist im Klett-Cotta Verlag erschienen und kostet gebunden 22,00 €.



Eine Antwort zu “„So, und jetzt kommst du“ von Arno Frank”

  1. Irmgard Roth sagt:

    Sehr schön beschrieben! Genauso erging es mir.

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