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Mehr als nur ein Erdbeben: „Hier bin ich“ von Jonathan Safran Foer

Es ist wohl nicht übertrieben wenn ich sage, dass Jonathan Safran Foer mich geprägt hat wie kaum ein Autor zuvor. Immerhin habe ich seinetwegen aufgehört Fleisch zu essen, nämlich nachdem ich „Tiere essen“ gelesen habe. Neben Sachbüchern schreibt Foer auch bzw. vor allem Romane. Auf das neue Buch mussten seine Fans elf lange Jahre warten. Auch bei mir war die Freude daher groß, als ich hörte, dass es etwas Neues von Foer gibt. Und da „Hier bin ich“ fast 700 Seiten dick ist, waren die Feiertage perfekt, um es fertig zu lesen.

Worum es geht

Julia und Jacob Bloch sind Anfang vierzig, jüdisch, haben drei Söhne und führen ein eigentlich recht normales, aufregendes Leben. Das ändert sich als ihr ältester Sohn wegen angeblicher rassistischer Äußerungen Ärger in der Schule bekommt und Julia ein Handy mit Nachrichten zwischen ihrem Mann und einer Kollegin findet, die weit über ein kollegiales Verhältnis hinaus gehen. Diese Entdeckung bringt die Beziehung der beiden ordentlich zum wanken und schon bald stehen sie vor der Frage: Zusammenbleiben oder nicht? Zu diesem Erdbeben innerhalb der Familie kommt bald noch ein äußeres Erdbeben im Nahen Osten hinzu, dass die sowieso schon angespannte Situation eskalieren lässt. Die muslimischen Staaten greifen den jüdischen Staat an und schon bald sieht sich Jacob mit der Frage konfrontiert, ob er nach Israel reisen sollte, um im Krieg zu kämpfen.

Was mir gefallen hat

Gerade am Anfang hat „Hier bin ich“ ein unglaublich rasantes Erzähltempo, das einen ganz schnell in die Geschichte reinzieht. Immer wieder springt Foer zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und der Leser lernt so schnell die Charaktere sehr gut kennen. Gerade als Julia die SMS ihres Mannes findet, lässt Foer den Leser mitleiden, bewahrt sich aber trotzdem seine lockere Schreibart, das hat mir gut gefallen. Am Anfang bin ich durch die Seiten geflogen, aber irgendwann wurde es alles etwas viel und etwas zu überladen. Das Erdbeben im Nahen Osten ist ein mehr als gelungenes Bild für den Zustand der Ehe der Blochs, aber ein bisschen weniger hätte dem guten Roman keinen Abbruch getan. Aber trotz dieser kleinen Kritikpunkte bleibt „Hier bin ich“ ein tolles Buch, das zu lesen sich auf jeden Fall lohnt.

„Hier bin ich“ ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, umfasst 688 Seiten und kostet 26 Euro.



Eine Antwort zu “Mehr als nur ein Erdbeben: „Hier bin ich“ von Jonathan Safran Foer”

  1. Constanze Reichel sagt:

    Ich bin absolut Deiner Meinung. Habe es gestern zu Ende gelesen.

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