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Kurztrip nach Porto und Coimbra

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Wenn uns jemand fragt, ob er einen Beitrag auf polanka veröffentlichen darf, freuen wir uns immer sehr. So auch, als Sophie uns jetzt angeboten hat, einen kleinen Reisebericht über ihren Kurztrip nach Portugal zu schreiben. Vorsicht beim Lesen: Fernweh vorprogrammiert!

Schon als ich meinen Flug im September gebucht hatte, stellte sich die große Vorfreude ein. Ich konnte es kaum erwarten wieder in Portugal zu sein, dem Ort meiner Reisesehnsüchte seit einem Urlaub in Lissabon vor zwei Jahren. Angeboten hat sich dieser Kurzurlaub für mich durch eine Freundin, die in Coimbra zur Zeit ihr Erasmus- Semester verbringt, wodurch ich auch in den Genuss eines quasi-local Guides kam. Nach einigen Tag- und Nachtträumen von Galãos, Pastei de Nata und Bacalhau war es dann endlich so weit und ich stieg in den Flieger nach Porto.

Ein Tag in Porto

Abends angekommen in Porto gab es für mich keine Möglichkeit noch am selben Tag nach Coimbra weiterzureisen, sodass wir im Vorfeld beschlossen dies für eine Stadtbesichtigung in Porto zu nutzen. Zum Glück, muss ich hinterher eindeutig sagen! Wir übernachteten im sehr zentral gelegenen Tattva Design Hostel, das mit der Metro super zu erreichen ist (17€ p.P. im 6er Frauen Schlafsaal). Nach einem kurzen Gang durch dunkle (und manchmal auch ein bisschen spelunkige) Gassen waren wir angekommen und mehr als glücklich über unsere Wahl: Ein modernes, sauberes, stylishes Hostel – was will man mehr? Sofort starteten wir einen nächtlichen Rundgang durch die Stadt. Was sofort auffällt in Porto: Viele Häuser in den engen Straßen der Innenstadt stehen leer, aneinandergereihte Mahnmähler fehlender Konjunktur. Glücklicherweise mindert das die Schönheit der Stadt in keiner Weise und verleiht ihr eher noch eine mysteriöse Ausstrahlung. Bei jedem Schritt an der schönen Promenade des Flusses Douro lässt sich der Glanz und Prunk vergangener Tage erahnen. Dort gab es für uns auch noch ein spätes Abendessen am Fonte do Cubo in einem der zahlreichen modernen Bistro-Restaurants. Die Karte ist klein, aber fein, das erste Glas Portwein schmeckt ausgezeichnet und ich denke, dass die Portugiesen das wohl genau für solche Abende Ende November erfunden haben, denn wir sitzen noch draußen, wie so viele und es friert keiner.

Der nächste Tag beginnt wie vorhergesagt mit Regen. Wir sind darauf vorbereitet und ziehen mit Softshell-Jacke und Regenschirm ausgerüstet los. Von der zentralen Sé (portugiesisch für Kathedrale) aus bewundern wir das Stadtpanorama und klettern die steilen Gassen hinunter zur Brücke Luìs I. Auf der oberen Ebene, frei für Fußgänger und die Tram, genießt man ein unglaubliches Panorama über Porto und Vila Nova de Gaia, das auf der anderen Flussseite liegt. Dort befindet sich das portugiesische Zentrum der

Portweinproduktion mit zahlreichen großen und kleinen Kellern, sodass sich hier eine Weinprobe wärmstens empfiehlt. Der Regen zwingt uns zu einer Pause bei Sandeman – Zeit für den ersten Galão (Milchkaffee) und Kuchen! Beides schmeckt großartig und wir flitzen in der kurzen Regenpause zum nebenan gelegenen Traditionshaus Kopke. Dort entscheiden wir uns für eine einfache Weinprobe (das Glas weißer Portwein, trocken 2,20€, das Glas roter Portwein, 3,50 €). Dazu reicht uns eine sprachtalentierte Sommelierin passende Schokolade und wir füllen unsere Portwein-Bildungslücke. Noch ein Spaziergang zurück und durch die Innenstadt, wo die blau-weiß gefliesten Häuser einen dazu zwingen alle paar Meter stehenzubleiben und zu staunen und ich muss mich schweren Herzens von Porto verabschieden. Mit dem Bus fahren wir durch den strömenden Regen von Porto-Campanhã nach Coimbra (10€).

Coimbra – Tradition und Moderne im Kontrast

Die nächsten beiden Tage setzen die begonnene Kletterpartie in Porto fort, denn Coimbra ist zwar deutlich kleiner, aber nicht weniger hügelig. Mittlerweile bin ich nicht mehr wie anfänglich ein bisschen traurig, zur kalten Jahreszeit in Porto zu sein, sondern heilfroh. Das absolute Highlight Coimbras ist die Universität. Sie ist die älteste in Portugal und eine der ältesten in Europa. Besonders sehenswert ist hier die bunte Biblioteca Joanina. Die traditionellen Repúblicas, eine Art Verbindung, sind eine der Besonderheiten der Universität. Die Studenten, die ihnen angehören sind ausgestattet mit langen schwarzen Roben und Krawatte; es fällt einem nicht schwer die Anekdote zu glauben, laut der sich J.K. Rowling von ihnen für die Kleidung der Hogwarts-Schüler inspirieren ließ. Am Ende ihres Studiums wird diese Robe zerrissen und ein Stück des Stoffs an das Tor der jeweiligen Fakultät geknotet, frei nach dem Motto „du hast mir gegeben, ich gebe dir etwas zurück“. Studenten und die Universität prägen das gesamte Stadtbild. Kontroverse Graffitis überall, rivalisierende República-Residenzen und jede Menge hippe Bars und Bistros. Die beste Pastei de Nata essen wir im kleinen Kaffee Caco in der Fußgängerzone. Zufällig landen wir abends im Santo Liquido. Pedro, der Wirt, bereitet uns, seinen einzigen Gästen an diesem Abend ein Festmahl mit portugiesischer Tapas zu. Seine Weine wählt er selbst und sorgfältig aus, ich trinke erst weißen, dann roten, denn wir können nicht nein zu seiner Empfehlung einer Flasche sagen und bin von beidem absolut hingerissen. Krönender Abschluss ist sein hausgemachter Schoko-Kuchen. Unser Festgelage kostet uns zusammen 34€ und ich, als absoluter Foodie frage mich, wie ich außerhalb dieses Landes weiterleben soll wie bisher. Wir runden den schönen Abend mit einem Drink im fantastischen, mal wieder im universitären Umfeld entstandenen, Casa das Caldeiras ab. Vor der Kulisse alter Maschinen legt ein DJ auf und man fragt sich unweigerlich, was diese Stadt wohl ohne ihre Studenten tun würde.

Am nächsten Tag reise ich zurück nach Porto, wandere noch einmal alleine durch die Straßen. Eine kurze Fahrt, der Flughafen, ich sitze im Flugzeug und verstehe so langsam, was Saudade, dieses unübersetzbare portugiesische Gefühl, bedeutet.

Vielen Dank Sophie für den schönen Bericht!

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