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Und dann passiert es doch

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Zum zweiten Mal in diesem Jahr habe ich am Dienstagmorgen eine Nachricht von Martha bekommen, die mit den Worten „Das kann doch nicht wahr sein…ich möchte gerade weinen“ anfing. Dabei ging es nicht um das graue, kalte Wetter oder irgendeine andere „Nichtigkeit“, sondern es ging um ein großes politisches Ereignis. Die erste dieser Nachrichten bekam ich von ihr am Morgen nach dem Brexit-Votum und die zweite nun an dem Morgen als Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Das zu schreiben, fühlt sich noch immer ganz komisch und vor allem falsch an. Schon klar, Amerika ist eine Demokratie und auch wenn das Wahlsystem mit dem Wahlmännern irgendwie verkorkst ist, wurde Trump demokratisch gewählt. Wer hätte das gedacht, nachdem Trumps Vorgänger doch wie kein anderer für Modernität und Weltoffenheit steht.

Nun hört man jetzt ja einige Stimmen, die sagen, sie hätten es geahnt, es wäre klar gewesen, das sei die Strafe für das Establishment, Clinton wäre ja auch kein bisschen besser…und und und. Ich habe das ehrlich gesagt nicht kommen sehen. Genauso wenig wie das Brexit-Votum. Einmal habe ich gedacht: „Hoffentlich wird es nicht wie beim Brexit und ich schaue morgens fassungslos auf mein Handy.“ Trotzdem kann ich noch immer nicht fassen, dass dieser Mann sich als Kandidat durchsetzen konnte der nächste amerikanische Präsident wird. Dass seine Wahl auch noch auf den 9. November fällt, auf den Tag, der in Deutschland unter anderem für den Fall der Mauer steht, ist irgendwie ein klitzekleines bisschen eine Ironie der Geschichte.

Was ist los in der Welt? Die Frage mag naiv sein und vielleicht lebe ich auch wirklich in einer großen Wohlfühl-Blase, aber ich kann diese aktuellen Entwicklungen hin zu populistischen Personen und Parteien einfach nicht begreifen. Anfang des Jahres habe ich noch Wetten abgeschlossen, ob die AfD es schafft, bei der Bundestagswahl in den Bundestag einzuziehen – heute fragt man sich, ob es noch Leute gibt, die dagegen wetten würden.  Und auch, wenn die Möglichkeit einer Frauke Petry als Bundeskanzlerin quasi nicht existent ist, beruhigt mich das nicht wirklich. Denn auch wenn wohl keine der demokratischen Parteien mit der AfD koalieren würde, gibt es ja eine Reihe Menschen in Deutschland, die die AfD wählen – siehe die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, die Kommunalwahlen in Hessen und zuletzt die Wahl in Berlin. Auch hier wieder: Ich lebe in einer Blase, denn ich kenne niemanden (glaube ich zumindest), der diese Partei wählen würde.

Gerne hätte ich jetzt ein bisschen mehr von dem Optimismus, den viele gerade an den Tag legen, wenn sie sagen „ach, wird schon alles nicht so schlimm werden mit Trump“. Hmm, ich bin da skeptisch. Und zu wissen, dass neben Trump noch Leute wie Putin, Erdogan, Orban und bald vielleicht noch eine Marine Le Pen an den Schalthebeln der Macht sitzen, macht es nicht besser.

 



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