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Auf eine Mittagspause mit: Dr. Maja Lasić

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Die Idee, Dr. Maja Lasić zu einem Interview in der Mittagspause zu treffen, kam uns ein paar Tage nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Die SPD-Kandidatin für den Wahlkreis 7 (Wahlkreis 7, das ist das Gebiet vom Brunnenviertel und dem Gesundbrunnen über den Leopoldplatz bis zum Sprengelkiez) war einige der wenigen Kandidaten, die uns während des Wahlkampfs auffallend oft begegnet ist, sei es im Kiez beim Verteilen von Broschüren oder in der Presse.

Maja, die im Übrigen bei der Wahl mit 31,5 Prozent das Direktmandat für ihren Wahlkreis holte, hat zudem einen spannenden Hintergrund: 1993 kam sie als Flüchtling des Bosnienkriegs mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach ihrem Abitur studierte sie Biologie und Chemie, promovierte und begann bei einem Pharmakonzern zu arbeiten. Diesen Job kündigte sie 2009 um bei Teach First zu arbeiten, einer Initiative, die sich durch Betreuungsprogramme für faire Bildungschancen einsetzt. Warum gibt man einen einen gut bezahlten und sicheren Job auf, um für Teach First zu unterrichten? Weil Maja weiß, wie wichtig gute Bildung für eine erfolgreiche Integration ist. „Ich war 14 als ich nach Deutschland kam, das ist schon recht spät, um eine neue Sprache zu lernen und mich vollständig zu integrieren. Es war quasi meine letzte Chance“.

Durch Teach First landete Maja im Wedding und unterrichtete zwei Jahre an einer Hauptschule am Brunnenplatz. Im Wedding ist sie geblieben, allerdings nicht bei Teach First; sie entschied sich ihr Herzensthema Bildung politisch voranzutreiben und trat der SPD bei. Warum gerade die SPD, wollen wir wissen. „Das hatte ganz pragmatische Gründe: Das Thema Bildung ist mir sehr wichtig und ich habe abgewogen, in welcher Partei ich mich am besten für eine gute Bildungspolitik einsetzen kann. So kam ich zur SPD“, erklärt Maja. Seit 2014 ist sie Mitglied im Landesvorstand der Berliner SPD, jetzt sitzt sie bei den Koalitionsverhandlungen mit am Tisch und diskutiert mit Vertretern der Linken und der Grünen über Bildungspolitik. Das sei total spannend, auch anstrengend, aber sie könne ganz viel lernen und hat das Gefühl, endlich etwas bewegen zu können, erzählt Maja.

Ihren Wahlkampf hat sie mit viel Engagement geführt und sich für einen sogenannten Haustürwahlkampf entschieden. „Ich habe oben im Haus angefangen und mich von Wohnung zu Wohnung vorgearbeitet“, erzählt sie. „Nicht jede Begegnung war angenehm oder einfach, aber insgesamt waren die Leute sehr offen und interessiert.“ An der Art, wie sie davon erzählt, merkt man, mit wie viel Leidenschaft Maja Politik betreibt und ja, ihre Begeisterung ist ansteckend.

Hat sie das gute Ergebnis der AfD überrascht? „Nein, nicht wirklich. Es gibt leider einen latenten Rassismus und Ängste in der Gesellschaft, die die AfD zur Zeit bedient. Uns muss es jetzt gelingen, Ängste abzubauen und die Menschen von unserer Politik zu überzeugen.“ Apropos Angst: Machen ihr die fremdenfeindlichen Vorfälle der letzten Monate und Wochen Angst? „Ich glaube nicht, dass es schlimmer wird – es sei denn, wir bekommen in naher Zukunft nochmal eine so große Flüchtlingswelle. Bleibt es dabei wird das so verlaufen wie damals in den 90ern und abklingen, wenn wieder andere Themen in den Fokus rücken“ Vielleicht ist ihre eigene Geschichte der Grund dafür, dass sie das so rational betrachten kann, denke ich.

Wir bleiben noch ein bisschen beim Thema Flüchtlinge. Was muss jetzt passieren, wie kann eine Integration gelingen? „In erster Linie über die Bildung. Bei den Kindern mache ich mir keine Sorgen, die lernen schnell und integrieren sich automatisch. Problematischer ist es bei den Erwachsenen. Auch die gut ausgebildeten, die in ihren Heimatländern gute Jobs hatten, haben nur wenig Chancen, hier in vergleichbaren Positionen zu arbeiten.“ Maja scheut sich nicht davor, diese Problematik ganz offen und pragmatisch anzusprechen.

Am Ende müssen wir sie natürlich auch noch zu ihrer Meinung zur aktuellen Sexismus-Debatte in deutschen Parteien befragen. Als der Skandal um die Berliner CDU aufgekommen sei, habe sie darüber nachgedacht, ob sie an irgendeiner Stelle in ihrer Parteikarriere so etwas schon mal erlebt habe oder ob ihr Geschlecht jemals eine Rolle gespielt habe. „Ich bin zu einem eindeutigen Nein gekommen.“ Das sei jedoch ihr persönlicher Fall und sie könne auch nur für die Berliner SPD sprechen, da gäbe es bestimmt auch andere Fälle. Vielmehr als der Sexismus beschäftigt sie jedoch das Thema Netzwerke. Männer seien einfach deutlich besser darin Netzwerke aufzubauen und sie für ihre Zwecke zu nutzen als Frauen. „Das regt mich schon auf, denn dadurch vergeben wir uns Chancen“. Wir wissen wohl alle, was sie damit meint. Mit unserer Mittagspause haben wir aber schon mal angefangen, unser Netzwerk zu erweitern. Danke für das nette und inspirierende Gespräch, liebe Maja!

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