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Lesetipp: „Die Toten“ von Christian Kracht

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Wenn Christian Kracht ein neues Buch veröffentlicht, stehen die Feuilletons parat. Und weil die Texte von Christian Kracht von Symbolen, Querverweisen, ironischem und historischem nur so strotzen, greifen auch die Kritiker tief in die Trickkiste. So viel Zauber macht neugierig. Zeit, „Die Toten“ einmal näher anzuschauen.

Eines der größten Talente von Kracht besteht darin, dass er schwarze Löcher in der Geschichte und Gegenwart aufspürt und sie anschließend bunt ausmalt, als wäre man schon immer mittendrin im Trubel.

Vom Gefühl her ein wenig so, bitte entschuldigt den Vergleich liebe Literaturkritiker, wie wenn man den Film „Midnight in Paris“ schaut und mit der Hauptfigur von jetzt auf gleich im Paris der 20er Jahre landet und dort Hemingway, Dalí und Co. trifft. Das ist auch das Geheimnis des neuen Werkes. Es spielt in den 1930er Jahren und wandert zwischen Nazi-Deutschland, seinem asiatischen Pendant Japan und ein wenig Hollywood hin und her. Größer als die zurückgelegten Räume ist nur die charakterliche Fragwürdigkeit der Protagonisten, ein Schweizer Regisseur und ein japanischer Beamter. Über Umwege führt sie eine denkbar große Mission zusammen: den Siegeszug des Farbfilms aus Hollywood mit einer deutsch-japanischen Co-Produktion aufzuhalten. Im Weg steht dabei alles, vor allem aber die Spleens der Protagonisten. Der Plot liest sich so herrlich absurd wie er klingt. Und überall taucht am Wegesrand Historisches mit entsprechendem Personal auf – Heinz Rühmann, Fritz Lang und Charlie Chaplin zum Beispiel. Mit Ihnen gehts – wie in dem vorhergehenden Roman „Imperium“ –  schnurstracks in Richtung Katastrophe. Das alles so eindrücklich, dass ein buntes Bild einer unangenehmen Zeit entsteht, die wir dem Namen nach kennen, ohne sie jedoch so greifen zu können.

Als Otto-Normal Leser muss man sich dann doch mal Zwischendurch bekreuzigen und tief durchatmen. Es scheint, als ob Kracht bei jedem neuen Buch noch etwas mehr Ironie anreichert und „Metatext“ einbaut. Etwas weniger Lametta und mehr Erzählen hätten es auch getan. Bei Kracht bleibt das aber Jammern auf höchstem Niveau. Und wer Spaß hat an heiter wahnwitzigen Geschichten, die in riesigen Schritten einmal rund um den Globus und quer durch die Geschichte führen, der wird auch diesen Roman von Christina Kracht mit Spaß lesen. Denn keiner schickt so freudig seine Figuren ins Jenseits wie Christian Kracht. „Die Toten“ eben, nur in lustig.

„Die Toten“ von Christian Kracht ist als Hardcover bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, kostet 20 Euro und ist bei jedem schönen Buchladen erhältlich.



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