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Ein neues Lieblingsbuch: „Der Distelfink“ von Donna Tartt

distelfink

Es gibt Bücher, bei denen weißt du von der ersten Seite, nein, vom allerersten Satz an, dass sie Potential zum Lieblingsbuch haben. So ging es mir bei „Der Distelfink“ von Donna Tartt (erschienen im Goldmann Verlag), einem 1020 Seiten dicken Schinken, der ziemlich lange in meinem Bücherregal schmoren musste, bis ich mich ihm endlich angenommen habe. Eine gute Freundin von mir hat das Buch vor kurzem gelesen und mir immer wieder gesagt, wie schön es sei und obwohl ihr Literaturgeschmack genau meinem entspricht, hat mich irgendwas davon abgehalten, endlich damit anzufangen. Ok, ich gebe zu, es war nicht irgendwas, sondern es waren die 1020 Seiten. Ich lese zwar gerne dicke Bücher, aber das erschien mir doch ziemlich lang. Aber: Hier lohnt jede Seite!

Worum es geht

Der Protagonist und Ich-Erzähler von „Der Distelfink“ ist Theo Decker, der bei einem Bombenanschlag im New Yorker Metropolitan Museum of Art seine Mutter verliert. Die beiden hatten ein sehr inniges Verhältnis, auch weil sie seit Jahren alleine leben, nachdem Theos Vater sich aus dem Staub gemacht hat. Kurz vor ihrem Tod zeigt Theos Mutter ihm ihr Lieblingsbild „Der Distelfink“  von dem niederländischen Maler Carel Fabritius. Während sie ihm die Hintergründe des Bildes erklärt, ist er abgelenkt von einem rothaarigen Mädchen, das in Begleitung eines älteren Mannes ebenfalls das Bild betrachtet und in das er sich auf der Stelle verliebt. Wenige Minuten später ist Theos Mutter tot und er scheint der einzige Überlebende zu sein. In seinem Schock nimmt er das Gemälde an sich und verlässt das Museum.

Da sein Vater nicht auffindbar ist, kommt Theo erst einmal bei der Familie seines Schulfreundes Andy unter. Während er den Schmerz über den Tod seiner Mutter nur schwer verarbeiten kann und Sozialarbeiter und Schulpsychologen vergeblich versuchen mit ihm über das Geschehene zu reden, lebt er sich langsam in die Familie von Andy ein. Aber dann taucht plötzlich Theos Vater auf und Theo muss die Familie von Andy verlassen und mit seinem Vater nach Las Vegas gehen. Was niemand weiß: Theo hat noch immer das Gemälde in seinem Besitz und nimmt es mit.

In Las Vegas wartet ein sehr einsames Leben auf ihn. Doch dann lernt er in der Schule Boris kennen, der genauso einsam und überfordert vom Leben ist wie er. Die beiden werden Freunde und auch als Theo irgendwann zurück nach New York geht, kreuzen sich ihre Wege Jahre später doch wieder.

Was mir so gefallen hat

Am meisten begeistert hat mich die Sprache und die Beschreibung der Charaktere. Theos Schicksal wird so intensiv beschrieben, dass ich mich zwischendurch daran erinnern musste, dass es nur ein Roman ist. Denn: Wie furchtbar muss es sein, die eigene Mutter zu verlieren, die bis dahin die einzige Bezugsperson im Leben war?! Donna Tartt beschreibt das Verhältnis der Beiden sehr emotional und schön und das steht eigentlich in einem krassen Gegensatz zu dem Theo, den man im Verlauf des Romans kennenlernt. Denn Theo fängt schon mit 13 an zu trinken, Drogen zu nehmen, ist unnahbar und gleichzeitig total emotional. Seine Freundschaft zu Boris ist irgendwie beängstigend und faszinierend zugleich. Und obwohl man als Leser Theo irgendwann eigentlich nicht mögen kann, hegt man unglaubliche Sympathien für ihn und hat großes Mitleid mit ihm. Und auch als Theo anfängt die Person, die am meisten für ihn tut, zu hintergehen, mag man ihm immer noch.

Kurzum: „Der Distelfink“ ist Gesellschaftsroman, Krimi und eine Geschichte über Freundschaft und Vertrauen in einem. Ein wunderschönes Buch, das ich jedem nur empfehlen kann!

 

 



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